Auch ein so genannter “wilder Garten” braucht Struktur und Planung, damit alle Pflanzen aufs Beste wachsen und blühen können. Nur so werden sich auch die fliegenden Insekten wie Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und einige krabbelnde Kollegen im grünen Paradies wohlfühlen. Wieso es im Garten auf 850 Höhenmetern so toll summt und brummt und was daran jetzt insektenfreundlich ist, verrate ich gerne.

Insektenfreundlicher Garten

mit Wissen & Gelassenheit angehen

Ein insektenfreundlicher Garten muss nicht immer zugewuchert und voller Brennnesseln sein. Er muss nicht wild aussehen, um für Insekten freundlich zu sein und ebenso – ihr ahnt es – ist ein gepflegter, blühender Garten nicht minder insektenfreundlich. Was ist alles wichtig, dass es summt und brummt und sich Bienen, Schmetterlinge und Co und damit auch Vögel in den Gartenm gesellen? In erster Linie ist eine Auswahl passender Pflanzen für unsere fleißigen Nektar- und Pollensammler das A und O. Sie sollten weitesgehend ungefüllte Blüten haben, so dass der Weg zum süßen Nektar gut zugänglich ist. Der Flor sollte sich abwechseln und vom zeitigen Frühjahr an bis in den späten Herbst erstrecken. Wer diese zwei Punkte beachtet, hat schon vieles für seinen eigenen insektenfreundlichen Garten getan.

Foto: Jens Hagenberg

Nun kommt der zweite – uns Gärtnern meist wichtige Part: Bei aller Euphorie an der Natur und den vielen kleinen Insekten, die den Garten lebendig machen, spielt doch ein Faktor in der heutigen Zeit eine ähnlich hohe Priorität. Gemeint ist ein möglichst geringer Pflegeaufwand im Garten. Hier möchte ich meine Erfahrungen und mein Wissen gerne teilen. Denn ein Garten muss nicht mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden sein, um blütenreich sich zeigen zu können und die Insekten anlocken zu können:

In erster Linie ist der Standort der Pflanze im Garten und die Lage des Stauden-Beetes entscheidend. Welche Faktoren sind dort gegeben? Welche Eigenschaften hat der Boden? Ist er sandig, lehmig oder reich an nährstoffreichen Schichten. Ist er eher feucht oder trocken? Wie ist das Wetter und das Klima? Wie sonnig oder schattig ist das Beet? Diese Fragen kann man immer weiter spinnen. Doch Standort, Lichtverhältnisse, Boden und Klima sind wohl die relevantesten Punkte, die man beachten sollte – nicht nur wenn man einen insektenfreundlichen Garten anlegt. Wer der Pflanze einen – für sie idealen – Standort anbietet, schafft die besten Bedingungen für sie. Sie fühlt sich wohl, wächst und blüht aufs Beste und wird weniger von Krankheiten geplagt. Außerdem bedarf sie an der richtigen Stelle weniger zusätzliches Wässern und schwupps hat man einen prima Grundstein für geringen Pflegeaufwand und man kann mit einer Menge Gelassenheit sich vom Blütenmeer verzaubern lassen.

Insektenfreundlicher Garten: Schmetterlings-Verlockungen

Eine Traum-Vorstellung: elegant flatternde Schmetterlinge, tänzelnd auf einer bunten Blütendweide. Doch Schmetterlinge lassen sich nur Blicken, wenn auch ihre Raupen Futter haben. Ein insektenfreundlicher Garten sollte also beides liefern: Nahrungspflanzen für Raupen und Nektarpflanzen für die fliegenden Schönlinge. Wer – wie ich gerne – den Schwalbenschwanz sehen möchte, sollte der hübschen Raupe entsprechende Nahrung anbieten. Gut eignet sich Fenchel im Gemüsebeet, oder auch Gewürz-Fenchel. Zumindest im Garten auf 850 Höhenmetern hat das wunderbar funktioniert und ich habe in ruhigen Augenblicken sogar den herrlichen Schwalbenschwanz umherflattern sehen.

Nelken (Dianthus), Fingerhut (z.B. Digitalis Purpurea), Walderdbeeren (Fragaria vesca) und Stochschnabel (Geranium) sind tolle Futterpflanzen für Raupen. Also eine tolle Mischung aus zierenden Pflanzen und wild wirkenden, heimischen Pflanzen, die alle wunderbar in Gärten gedeihen können. Ebenso wie Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium), Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) und Sommer-Astern (Aster amellus). Diese habe ich – bis auf den Fingerhut, der nächstes Jahr folgt – zumindest hier im Garten auf 850 Höhenmetern wachsen. Die Wiesen-Schafgarbe war zwar anfänglich kein großer Favorit von mir, doch nun blüht sie auf dem Hügelbeet und zaubert weiße Wölkchen zwischen Melisse und Fetthenne. Zudem ist sie ebenso eine tolle Nektarpflanze für Schmetterlinge.

Foto: Jens Hagenberg

Nachdem die Raupen sich im Garten satt gefressen haben, verpuppen sie sich und einige Wochen später (bei anderen erst im kommenden Jahr) schlüpfen sie als Schmetterlinge aus ihrem Kokon. Sie klettern in Richtung Sonne an ihrem Halm oder der Mauer empor, entfalten langsam ihre Flügel und pumpen erst einmal kräftig ihr Blut durch den Körper. Der ideale Moment um ein wunderschönes Foto von den filigranen Diamanten der Lüfte zu machen. Leider für Katzen und Vögel ein ebenso gelungener Zeitpunkt, um sich die nächste Mahlzeit – wehrlos wie sie noch ist, zu schnappen.

Jetzt begeben sich die jungen Schmetterlinge direkt auf Nektarsuche. Angelockt werden sie unter anderem von kriechendem Günsel (Ajuga reptans), Schnittlauch (Allium), Flockenblumen (Centaurea dealbata) und Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea). Im Garten auf 850 Höhenmetern biete ich ihnen Gundermannblüten (Glechoma hederaceae), Lavendel (Lavendula angustifolia), Wilde Malve (Malva sylvestris) und Hohe Fetthenne (Sedum Telephium-Hybride) an.

Insektenfreundlicher Garten: Blumen für die Bienen

Damit sich auch die Bienen willkommen fühlen, haben wir einige Wildblumen und andere Saatmischungen dazu ausgesäät. Seit unsere Nachbarn nun auch ihr eigenen Bienenvolk haben, summt es natürlich noch mehr in unserem Grün. Aber ob es nun wirklich mehr sind, lässt sich schwer sagen. Es waren schon immer viele fliegende Insekten bei uns unterwegs. Der Borretsch (Boragina officinalis) mit seinen blauen Blüten zählt bei den Bienen und Hummeln definitiv zu den Lieblingen im Garten auf 850 Höhenmetern.

Ebenso die ungefüllten Kleinstrauchrosen (zum Beispiel ‘Blühwunder 08‘), die dem Garten etwas romantisches Flair verleihen, stehen weit oben auf der Liste der beliebtesten Pflanzen für Bienen bei uns. Doch nicht nur Stauden werden sehr gerne von den fleißigen Honigsammlerinnen beflogen, sondern auch Gehölze. Gut, bei uns beschränkt sich das mehr auf den Birnenbaum im Garten selbst und einige Kirschbäume am Wegesrand. Doch zur Blütezeit, hört man unter den Bäumen nur ein geselliges Summen.

Foto: Jens Hagenberg

Die letzten Jahre war auch der Lavendel im Garten sehr beliebt, doch scheint er vergangenen Winter nicht überstanden zu haben … Schade. Bisher hatte er die kalten Monate unter dickem Schnee immer überlebt. Ersatz haben wir bereits, doch diesmal auf dem Balkon. Schließlich soll es auch hier wundervoll blühen und duften und Insekten anlocken. Doch zurück zum Garten auf 850 Höhenmetern. Hier blüht, wie bereits erwähnt auf unserem Hügelbeet direkt an unserer halbrunden Steinbank die Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium) und nicht nur Schmetterlinge lockt sie an, sondern ist auch eine super Nektar-Quelle für Bienen. Ein wohl weit unterschätztes Kraut ist wohl der Kriechende Günsel (Ajuga reptans), der mit seinen blauen Blüten von Mai bis Juni viele Insekten anlockt. Also lasst es ruhig hier und da stehen und pflanzt es in euere wilden Beete hinein. Ich finde, es ist zauberhaft anzusehen und schafft einen satten Grünton in den Rabatten.

Foto: Jens Hagenberg


Foto-Hinweis/ Werbung: Die tollen Insekten-Bilder habe ich von Jens Hagenberg zur Verwendung in diesem Beitrag erhalten. Vielen Dank lieber Jens! Wer mehr von seiner Foto-Kunst sehen möchte, kann dies auf seinem Instagram-Kanal tun.

Screenshot Instagram

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