Borretsch – Fluch und Segen

Fluch und Segen! So lässt sich das blaue Blütenmeer aus Borretsch-Pflanzen in diesem Jahr beschreiben, das sich durch den gesamten Garten zieht. Aus einer Saat-Mischung “Blumen-Weide” mit einer Mischung aus “Insekten-Wiese” habe ich im Frühjahr etwas zu euphorisch den frisch gelockerten Boden bestreut. Genauer gesagt bin ich ein bisschen wie ein Jecke zu Fastnacht (Fastnet/Fasching) im März herumgesprungen und habe statt der Bonbons und des Konfettis eben Saatgut geschmissen. Zu guter Letzt hat mein Beschwörungs-Gesang “Wachse fein und wachse gut, dieses Jahr wird es kunterbunt!” wohl dazu beigetragen, dass Borretsch, Ringelblume, Schafgarbe, Zinnien und andere heimische Stauden nun herrlich blühen.

Borretsch im Garten

Allen Stauden voran, fühlt sich der Borretsch bei uns besonders wohl. Bestens geeignet für unsere Höhenlagen, denn hier blüht nicht allzu viel und die blauen Blütensterne sind immer gut besucht von Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlingen aller Art und Hummeln.

Das Raublattgewächs stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum (Region Griechenland/Italien) und zählt zu den traditionellen Bauerngarten-Pflanzen. Teilweise wurde er auch in Klostergärten kultiviert. Umso mehr freut es mich, dass es in meiner modernen Interpretation eines Bauerngartens nun gut gedeiht. Okay, gut – die Bodenansprüche der Staude sind sehr gering. Auf keinen Fall sollte der Boden überdüngt sein. Am wohlsten fühlt er sich an sonnigen, windgeschützten Standorten auf einem lockeren, feuchten und nährstoffreichen Boden.

Borretsch

Borretsch im Pflanzenporträt

Borretsch ist übrigens eine einjährige Pflanze. Zum Glück! Denn von Mai bis wohl in den September hinein blühen die sternenförmigen Blüten überall – und ich meine ÜBERALL- im Garten. Sie sind schön anzusehen und auch die jungen Blätter schmackhaft im Salat, die Blüten tu ich mir gerne in Wasser oder auch als Garnierung aufs Essen, aber – und jetzt muss ich es einfach sagen: Wenn etwas Überhand gewinnt, wird es etwas lästig.

Die Keimblätter sind sehr klein und die Wurzeln noch kaum ausgebildet: in diesem Stadium ist es am einfachsten die kleinen Gurkenkrautgewächse in Schach zu halten. Doch dann werden sie rasch größer, ihre Blüten sind zunächst teilweise rosa, werden dann blau. Wunderschön – ja! Werden sogar Himmelsstern genannt – schön für sie! Aber die Blätter und die Stängel werden immer dicker, die Pflanze bis zu 80 Zentimeter hoch und vor allem sind sie piecksig!

“Aua, das tut ja weh!”, beschwert sich mein Freund, den ich gebeten hatte das unbändige Kraut teilweise zu entfernen. Gut, er hat es dann nicht getan. Also musste Frau das übernehmen. Da ich Handschuhe nicht so schön finde bei der Gartenarbeit und lieber alles an nackten Füßen und Händen spüre, habe ich die rauen Borretsch-Pflanzen mit bloßen Händen herausgezogen. Siehe da: es klappt wunderbar! Frau weiß wie es geht! haha!

Bienen-Nahrung: Borretsch

Bevor jetzt alle Aufschreien: Wieso nimmt sie den Bienen ihre Nahrung?! Unsere Bienen, die sterben doch!

Keine Bange! Ich habe den Borretsch teilweise umgesiedelt und natürlich überall stehen lassen, wo er mit seinem wuchtigen Wuchs keine anderen Pflanzen unter sich begraben hat. Mein Lavendel und einige Kräuter beispielsweise haben etwas gelitten. Auch musste ich einen Weg komplett freirupfen, damit ich wieder in den hinteren Teil des Garten gelangen konnte. Es ist, wie es ist: Einige Pflanzen habe ich entfernt, dann in eine Schubkarre gelegt, dort sind sie über Wochen langsam verwelkt und in der Zeit haben sich die Insekten noch daran laben können. Nun muss ich nur noch das Verwelkte in unseren natürlichen Grünkompost fahren.: Ein Abhang hinunter auf eine Wiese, wo sicherlich im nächsten Jahr der Borretsch blühen wird.

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2 Comments

  1. birthesgartenzeiten

    24. August 2017 at 20:57

    Hihi, ich musste grinsen, als ich Deinen Bericht über den blauen Borretsch las. Aber Du hast natürlich recht – er vermehrt sich ungemein, und überall hin, wenn man ihn lässt… MIr tut es auch immer leid, wenn ich eine Pflanze entfernen muss – sie ist eine wahre Hummel- und Bienenweide.. Wirklich schöne blaue Blüten, aber man muss ihr Grenzen setzen ;-). LG Birthe

  2. Licht Trifft Schatten

    10. September 2017 at 11:11

    Was für ein herrlicher Text zum Borretsch, der bei mir, am Fuße der schwäbischen Alb, irgendwie gar nicht im Garten Fuß fassen möchte. Dieses Jahr habe ich sogar extra eine ausgewachsene Pflanze erstanden und hoffe nun, dass sie sich vermehrt … 😉 Mal schauen, ich bin es eh gewewohnt, relativ viele Sämlinge von diversen Gartenwanderern auszureissen, das ist im Frühling immer eine richtig mächtige Arbeit – aber mir macht es Spaß! Gerne komme ich wieder, mir hat es gefallen bei Dir! LG sendet Marion

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